Die Schüler unserer Willkommensklasse haben jede Woche 10 Blöcke (je 90 Minuten) Unterricht.
Natürlich ist darunter Deutsch mit 6. Blöcken am meisten vertreten. Alle Schüler beherrschen bereits das deutsche Alphabet, allerdings haben einige noch Probleme beim Aufschreiben des gesprochenen Wortes. Jedoch ist allein das ein riesiger Fortschritt, wenn man bedenkt, dass es unter den Schülern Jungen gibt, die vorher noch keine Schule besucht haben und ein Schüler sich nun nicht mehr als Analphabet bezeichnen muss. Neben dem typischen Teil wie Grammatik, Alphabet lernen, lesen und schreiben nehmen sie auch einige Mathe- und Geographieaufgaben auf. Auch hier ist jeder Schüler individuell fortgeschritten, einigen fiel es sehr schwer am Beispiel eines Einkaufes zu addieren, wie viel man für einen Apfel und eine Milch zahlen muss, andere wiederum hatten keine Probleme.
Natürlich ist allein auf Grund der schulischen Vorsituation nicht zu erwarten, dass man den Unterricht auf einem Level durchziehen kann, die Lehrer müssen individuell auf jeden Schüler eingehen. Umso besser ist natürlich, dass die Schüler so motiviert werden mitzuarbeiten. Falls sie jedoch doch mal unmotiviert sind, liegt es oft an Verständnisproblemen und sobald diese geklärt sind, arbeiten sie wieder mit. Ein weiteres Problem kann sein, dass sie keine Lust mehr haben zu schreiben oder auch die Aufgabe als zu schwer ansehen.
Weiterhin haben sie 90 Minuten Sport in der Woche, genaus wie eine Stunde Kochen.
Ein interessantes, eher unbekanntes Fach ist LAL (Lernen-Arbeit-Leben), dort lernen sie, die Unterschiede zwischen ihrer und unserer Kultur und was sie dementsprechend beachten müssen, aber auch, was man können muss um etwas in Deutschland erreichen zu können und hoffentlich so bald wie möglich einen Job zu erlernen.
Hier kommen auch die jeweiligen Vorstellungen der Zukunft zum Vorschein, besonders auffallend ist hier Feruz, der sehr hohe Vorstellungen von seiner Zukunft hat und auch sehr viel freiwillig lernt.
Er macht bisher die größten Fortschritte, sollen sie zum Beispiel aufschreiben, wo Leo ist, schreibt er: „Leo ist um 8 Uhr in Berlin“, was darauf hindeutet, dass er die Aufgaben bereits komplexer bearbeiten möchte.
Weiterhin sind sie sehr freundlich und offen und haben auch schon gelernt, nach dem Unterricht von sich aus die Stühle hochzustellen oder Tafel abzuwischen.
Die meisten sind auch sehr zuverlässig und kommen pünktlich, es kommt zwar auch vor, dass mal einer zu spät kommt, genau wie in allen anderen Klassen unserer Schule auch ! 🙂
Und um nochmal ein Vorurteil aus dem Weg zu räumen, die Jungs sind äußerst respektvoll gegenüber ihrer jungen Lehrerin und schätzen sie wert! Sie haben schnell gelernt, dass die Frau in Deutschland eine ganz andere Rolle einnimmt als in ihrem Herkunftsland und das akzeptieren sie und respektieren sie.